Kultur im Pfarrgarten

Freiluftkonzerte mit Hygienekonzept

Kath. Kirche Christkönig, Fürth

Eintritt pro Konzert: 15€ (ermäßigt 12€)

Lange Wochen lag das Kulturleben brach – und wir wagen den Neustart!
Erleben Sie außergewöhnliche Konzerte im Pfarrgarten der Christkönig-Kirche in Fürth. Die insgesamt sechs Konzerte sind bunt gemischt aus Klassik und Moderne, renommierte Musikerinnen und Musiker versprechen besten Hörgenuss.
Damit unsere Konzerte nicht zum Corona-Hotspot werden, haben wir ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erarbeitet. Daher bitten wir Sie auch, sich über das Kontaktformular oder die Mail-Adresse l.trottmann@web.de anzumelden. Dann können wir Ihnen auch die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen des Hygienekonzepts erläutern, das Sie auch am Ende der Seite herunterladen können.

Die Christkönig-Kirche befindet sich in der Friedrich-Ebert-Straße 5 in 90766 Fürth.
Erreichbarkeit mit dem ÖPNV: U-Bahn Fürth Klinikum · S-Bahn Fürth-Unterfarrnbach.

18. Juli 2020, 20.00 Uhr

Graphics in Music & Poetry

„Ein verheißungsvoller Start in eine anspruchsvolle Konzertreihe“
Fürther Nachrichten

Phantastisch. Witzig. Unverwechselbar! Das Konzert wirft einen innovativen Blick auf meisterhafte Radierungen des „Magischen Realismus“ von Caspar Walter Rauh.

Musik von Horst Lohse und Lorenz Trottmann

Michael Herrschel, Rezitation · Gernot Hammrich, Gitarre · Lorenz Trottmann, Klavier

1. August 2020, 19.00 Uhr

Abendmusik und Sommerklänge

Stimmungsvolle geistliche Lieder aus Barock und Romantik läuten den Hochsommer ein.
Das Konzert beginnt bereits um 19.00 und findet in der Kirche statt.

Musik von Josef Rheinberger, Gabriel Fauré, Johann Sebastian Bach u.a.

Uta Probst, Sopran · Hubert Gröbel, Bass · Matthias Hofknecht, Orgel

(Veranstalter: Pfarrei Christkönig)

15. August 2020, 19.30 Uhr

Die verratene Moderne

Unter Stalin erlebte Russlands Avantgarde-Generation der 1920er fürchterliche Repressionen. Heute fast vergessen öffnet sich eine beeindruckende und einzigartige Klangwelt, die sich seinerzeit nicht hinter Wien und Paris verstecken musste!
Das Konzert beginnt um 19.30.

Musik von Dimitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew, Nikolai Roslawez, Alexander Mossolow u.a.

Lorenz Trottmann, Klavier · Michael Herrschel, Rezitation

Created with Sketch.

Gegen Ende der Zarenzeit kam Russland in der musikalischen Moderne an. Alexander Skrjabin öffnete dabei völlig neue Klangwelten. Jedoch war er nicht der einzige: auch Alexei Stantschinskij schuf außergewöhnliche Werke mit ganz individuellen Mitteln. Parallel dazu schrieb Wladimir Deschewow ein Kuriosum: Die „Stigmata des heiligen Franz von Assisi“ verblüffen mit ihrem offen religiösen Sujet und sind ganz im Stil von Liszts Spätwerk gehalten, während die Miniatur „Aus dem Tagebuch“ sowohl seinen Reifestils als auch seine Freundschaft zu Darius Milhaud zeigt. Sergej Prokofjew ist weithin geläufig; unbekannt ist, dass er auch nach seiner Emigration stets der Avantgarde-Bewegung in der Heimat verbunden blieb. Sein Erzfeind Leonid Sabanejew erschloss die Russische Avantgarde musikwissenschaftlich – wenn auch teils sehr subjektiv. Ivan Wyschnegradsky war ein bedeutender Viertelton-Pionier. Seine Fragmente waren sein Einstand in die Moderne und erklingen am 21. November 2020 als Viertelton-Version in Christkönig.

Nach 1917 waren nun überall in Russland die Wege zur Moderne offen. Staatliche Institutionen stützten trotz großer Not die künstlerischen Experimente, die bald an der Spitze des europäischen Kulturlebens standen. Besonders in der Musik klafft jedoch eine Dokumentationslücke zwischen Prokofjews Emigration 1918 und Schostakowitschs erster Symphonie 1925. Doch gerade in dieser Zeit perfektionierte beispielsweise Nikolai Roslawez seine Technik der „Syntet-Akkorde“, mit denen er sich den Ruf des „Russischen Schönbergs“ erwarb. Julian Skrjabin und Julian Krejn traten als frühreife Wunderkinder ganz in die modernistischen Fußstapfen ihrer Väter. Alexander Mossolow avancierte binnen weniger Jahre vom militanten Kommunisten zum Shooting Star des europäischen Musiklebens, sodass Dimitri Schostakowitsch auch bei ihm auf seiner Suche nach neuen Klangmitteln Inspiration fand. Bevor letzterer zum staatlichen Vorzeigekomponisten zurechtgebogen wurde, trat er als Bürgerschreck mit der Anti-Kunst seiner Aphorismen auf; so offen konnte er seinen sarkastischen Humor nie wieder zeigen. Leonid Polowinkin ging gemeinsam mit Mossolow in den Salons ein und aus. Seine Spezialität waren „Ereignisse“: kompakte Klavierstücke, unterbrochen durch eine überraschende Geste.

1929 wendete sich das Blatt. Kulturkommissar Lunatscharskij, der Patron der Avantgarde, wurde entlassen, Stalin suchte parteitreue Mitläufer, um seine Fünfjahrespläne durchzusetzen. Qualifikation war dabei zweitrangig, sodass besonders die Moderne jeglichen institutionellen Halt verlor. Wie auch Schostakowitsch wurden schließlich alle progressiven Komponisten im Laufe der folgenden Jahre zu Klassenfeinden erklärt und durch Repressionen gebrochen.

29. August 2020, 19.30 Uhr

Schemen – was bleibt...?

Helmut Bieler prägte bis zu seinem Tod 2019 das Kulturleben der Region. Ausgehend von seinen eigenen musikalischen Rückblicken erklingen Reminiszenzen fränkischer Komponisten an Vorbilder, verstorbene Freunde und den eigenen Lebensweg.
Das Konzert beginnt um 19.30.

Musik von Helmut Bieler, Volker Blumenthaler, Horst Lohse, Werner Heider u.a.

Lorenz Trottmann, Klavier · Michael Herrschel, Rezitation

Created with Sketch.

Helmut Bieler wurde 1940 in Gersfeld in der hessischen Rhön geboren. Schon als Jugendlicher kam er in der Nachkriegszeit nach Bayreuth, das für ihn fortan Lebensmittelpunkt sein sollte: Hier absolvierte er das Gymnasium und begann bereits vor seinem Studium an der Musikhochschule München seine ersten Schritte als Pianist. Bald kam er in Kontakt mit den Größen des Musikbetriebs, hielt aber auch immer Verbindung zu Kolleginnen und Kollegen aus der Region, sodass er bald eine gute Grundlage hatte, um schließlich 1988 das Bayreuther Festival Zeit für Neue Musik zu gründen. Das sonst sehr bunt gemischte Programm stand ein Jahr nach Bielers Tod im Januar 2019 nun im Zeichen des Innehaltens.

Der bekannte Bach-Choral Ach wie flüchtig, ach wie nichtig bildet den Rahmen für einen Querschnitt durch die Aktuelle Musik aus der Region. Erst in Originalgestalt gespielt erklingt er am Schluss als Schatten unter einem Klavierstück von Volker Blumenthaler. Dazwischen blicken Komponisten aus Franken zurück, auf Vorbilder, Freunde oder den eigenen Lebensweg so wie Helmut Bieler sich in seinen „Drei Stücken für Drei Frauen“ an Weggefährtinnen erinnert. Vom Fürther Komponisten Werner Heider stammt ein kleiner musikalischer Epitaph auf ihn, während mit Wolfram Graf ein langjähriger künstlerischer Weggefährte Bielers zu Gehör kommt. Matthias Hoffmann zitiert wiederum einen anderen bekannten Trauerchoral, nämlich Mitten im Leben und Horst Lohse zeigt mit seiner Nocturne seine Faszination für Schostakowitsch.

Nachdem das Festival Zeit für Neue Musik dieses Jahr wegen der Covid-19-Pandemie kurzfristig abgesagt werden musste, findet sich für das Programm nun in Bayreuth und auch in Fürth eine gelungene Nachhol-Gelegenheit.

12. September 2020, 19.30 Uhr

Faustbeil, Volkslied, Biedermeier

Seit 1750 ist die Blockflöte totgeglaubt – mitnichten! Als „Czakan“ eroberte sie im Biedermeier die Wiener Salons und um 1900 auch die Herzen der frühen Modernisten.
Das Konzert beginnt um 19.30.

Musik von Anton Diabelli, Erzherzog Rudolph, Béla Bartók u.a.

Martin  Weigert, Blockflöte · Lorenz Trottmann, Klavier · Michael Herrschel, Rezitation

Created with Sketch.

Georg Philipp Telemanns „Music-Meister“ war ein als Zeitschrift erscheinender Fernkurs für Blockflöte. Mit diesem Werk setzen wir am Ende der letzten Blütezeit für dieses Instrument an. Gleichzeitig war der „Music-Meister“ auch ein Geschäftsmodell für das aufstrebende Bürgertum, das sich kulturell immer weiter emanzipierte und damit die Grundlage für die folgenden Entwicklungen lieferte.

Denn 1807 – also rund fünfzig Jahre nach dem allgemein verbreiteten Ende der Blockflöten-Ära – führte Anton Heberle ein neuartiges Instrument in den Wiener Salons ein: das Czakan, eine ungarische Bauernflöte mit angeblich jahrhundertelanger Tradition. Ob das stimmte, ist fraglich. Die Gehstock-Form mutete zwar volkstümlich an, jedoch war die Bautechnik stark verwandt mit der eigentlichen Blockflöte, der Begriff wiederum hat ohnehin eine ganz andere Herkunft: Als um 1600 längst Feuerwaffen die Kriege beherrschten, wurde ein Faustbeil namens Czakan zur zivilen Verteidigung z.B. gegen Wegelagerer in Ungarn eingesetzt.

Ungeachtet dessen fand die Czakan-Flöte begeisterte Aufnahme beim Wiener Bürgertum, wohl als Vorbote der großen Bohème-Modewelle, die Mitte des 19. Jahrhunderts über Europa schwappte. Passend dazu wurden geschätzt 400 Werke für das Instrument komponiert, alle der Zeit gemäß im frühromantisch-brillanten Stil. Dabei spielte der Beethoven-Umkreis eine recht bedeutende Rolle. Eines der elaboriertesten Czakan-Werke stammt vom Beethoven-Schüler Erzherzog Rudolph von Österreich, während es für die Popularität des Czakans spricht, dass der Beethoven-Verleger Anton Diabelli die bekanntesten Melodien der Erfolgsoper „Der Freischütz“ von Weber ausgerechnet für dieses Instrument arrangierte. Verschiedene Czakan-Virtuosen, wie Ernest Krähmer schrieben jedoch den Großteil der Konzert- und Gebrauchsmusik.

Als die Romantik um 1840 in die neuen philosophischen Strömungen um Schumann, Berlioz und Liszt mündete, endete auch die Epoche des Czakans. Erst um 1900 fand die eigentliche Wiederentdeckung der Blockflöte statt. Arnold Dolmetsch – eigentlich Geiger – sammelte alte Blockflöten. Sein Fundus ging jedoch verloren, sodass er 1919 gezwungen war, sein bestes Instrument aus dem Gedächtnis nachzubauen. Dadurch setzte er den Grundstein für die Blockflöten-Renaissance im 20. Jahrhundert, wodurch auch Cyril Scott angeregt wurde, mit der Aubade eine impressionistische Rarität für die damals in Avantgarde-Kreisen noch unbeachtete Blockflöte zu komponieren. Béla Bartóks Gyergyóból ist wiederum die Nachempfindung alter Hirtenmelodien aus der Nähe Siebenbürgens, für deren Darstellung im klassischen Konzert sich am besten die Blockflöte eignet.

10. Oktober 2020, 19.30 Uhr, Christkönig, Fürth

11. Oktober 2020, 17.00 Uhr, evang. Haus St. Martin, Schwabach

Aus dem Schatten treten

Schubert schuf mit dem Forellenquintett ein epochemachendes Werk, 100 Jahre später holte die Ukraine dank Ljatoschinskijs Klaviertrio zur Moderne auf – zwei Werke, die ihre Schöpfer wie ihre Umgebung im Umbruch zeigen.

Musik von Franz Schubert und Boris Ljatoschinskij

Valentina Pilny, Violine · Christopher Scholz, Viola · Stefanie Waegner, Violoncello · Sebastian Kolb, Kontrabass · Lorenz Trottmann, Klavier · Michael Herrschel, Moderation
Das Konzert in Fürth ist leider ausgebucht, in Schwabach gibt es allerdings noch freie Plätze!
Das evangelische Haus St. Martin ist in der Wittelsbacherstr. 4, 91126 Schwabach

Created with Sketch.

Komponieren bedeutet lebenslanges Suchen nach neuen Ausdrucksmitteln, individuellen Klängen. Das Publikum bekommt dabei immer nur Momentaufnahmen des künstlerischen Werdegangs mit, die vielen verworfenen Notenseiten und Ideen bleiben meist Jahrzehnte verborgen. Ganz besonders interessant sind diese Momentaufnahmen allerdings, wenn sie den Beginn einer neuen Entwicklung markieren, wenn durch eine Komposition eine neue Stufe der künstlerischen Entfaltung erreicht wird.

So auch beim 22-jährigen Franz Schubert, als er von der Sommerfrische in Steyr 1819 nach Wien zurückkehrt. Der Mäzen und leidenschaftliche Cellist Silvester Paumgartner hatte ein Klavierquintett mit Kontrabass bestellt – und Schubert konnte es nicht ausschlagen, zu prekär war seine Lage. Damit musste er es jedoch mit Johann Nepomuk Hummel aufnehmen, einem damals höchst geschätzten Pianisten und Komponisten, quasi dem salonfähigen Gegenpart zum Choleriker Beethoven. Schubert schaffte es, verhalf durch sein Forellenquintett der Besetzung, deren Klang bereits Hummel perfektioniert hatte, zu neuem Glanz und wuchs damit in sein Reifewerk hinein.

Genau 100 Jahre später rang Boris Ljatoschinskij mit sich. Kurz nach Absolvieren seines Kompositionsstudiums in Kiew strahlte ihn das Licht des kürzlich verstorbenen Alexander Skrjabin an, einem legendären Komponisten, der selbst sein Leben lang danach suchte, die Menschheit durch ein orgiastisches Gesamtkunstwerk in Ektase zu versetzen. Nun auf eigenen Beinen stehend wollte Ljatoschinskyj nun selbst dessen mystische Klänge aufnehmen und schuf ein Klaviertrio von schwelgerischer Kraft mit kräftigen modernen Farben. Mit diesem Werk fand auch er zu seiner Reifeperiode, durch die er die Ukraine musikalisch in die Moderne führen sollte. Hierzulande leider fast völlig unbekannt wird sein Erbe in seinem Heimatland noch heute sorgfältig gepflegt.

Hygienekonzept

Das den Veranstaltungen zugrunde liegende Hygienekonzept kann natürlich jederzeit eingesehen werden. Klicken Sie dazu einfach auf die Buttons: